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Midlife Circus – mehr als nur ein Theaterstück

Was passiert eigentlich, wenn ein Clown in die Midlife-Crisis gerät? Und wie geht man im
Zirkus mit Krisen um?
Anlässlich des 40. Geburtstag der TUFA Trier beschäftigte sich mit diesen Fragen die
diesjährige Produktion des TUFA-Bürgertheaters „Midlife Circus“.
Zwischen November 2025 und April 2026 entstand gemeinsam mit über 30 Menschen im
Alter von 14 bis 84 Jahren ein außergewöhnliches Theaterprojekt. Auf humorvolle, kreative
und zugleich berührende Weise nahm das Stück sein Publikum mit auf eine Reise durch
die verschiedenen Lebensphasen. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur die
namensgebende Midlife-Crisis, sondern auch persönliche Lebensgeschichten, kleine
und große Alltagskrisen sowie die Frage, wie Menschen Herausforderungen meistern und
an ihnen wachsen können.
Bemerkenswert war dabei der Entstehungsprozess: Zu Beginn gab es kein fertiges
Drehbuch. Stattdessen entwickelten die Teilnehmenden gemeinsam Szenen aus eigenen
Erfahrungen, Gedanken und Ideen. Unter der Regie von Judith Kriebel sowie mit
professioneller Unterstützung von Elke Reiter (Clownerie) und Uli Morrissey (Jonglage und
Akrobatik) entstand innerhalb weniger Monate eine ebenso kreative wie persönliche
Inszenierung, in die jede und jeder individuelle Fähigkeiten, Geschichten und
Perspektiven einbringen konnte.
Doch „Midlife Circus“ war mehr als „nur“ ein Theaterstück. Während der Proben konnten
die Mitwirkenden verschiedenste Zirkuskünste ausprobieren – vom Tellerjonglieren über
Akrobatik bis hin zum Einradfahren. Für viele waren diese Erfahrungen völlig neu. Gerade
dieses Entdecken unbekannter Fähigkeiten, das Wachsen an Herausforderungen und das
kreative Verarbeiten eigener Erlebnisse auf der Bühne machten das Projekt für viele zu
etwas ganz Besonderem.

Die Inszenierung selbst verband schließlich Schauspiel, Jonglage, Akrobatik und
Clownerie zu einem einzigartigen Mix aus Unterhaltung, Tiefgang und poetischen Bildern.
Für die passende Atmosphäre sorgten eine eigens gegründete Live-Zirkuskapelle sowie
Kostüme im Stil des Varieté-Theaters der 1920er Jahre.
Mit viel Fantasie und Humor wurden unterschiedlichste Themen auf die Bühne gebracht:
Der Hormonhaushalt von Frauen in der Menopause wurde von einer Geige vertont,
Hitzewallungen verwandelten sich in eine tänzerische Feuernummer, Clownin Lula
stolperte über ihre wortwörtlichen Hängebrüste und ein Messerwerfer verdeutlichte auf
eindrucksvolle Weise den gesellschaftlichen Trend zur Schönheitschirurgie.
Gleichzeitig griff das Stück auch gesellschaftliche Themen und existenzielle Fragen auf:
Haben auch Männer Krisen – und dürfen sie Schwäche zeigen? Wie finde ich wieder zu mir, wenn sich das Leben irgendwann nicht mehr um die Bedürfnisse anderer dreht? Wer
bin ich ohne meinen Beruf? Wie komme ich wieder auf die Beine, wenn das Leben durch
eine schwere Krankheit plötzlich auf dem Kopf steht? Was macht es mit einem
Menschen, dem eigenen Tod ins Auge zu sehen? Und wie kann man mithalten in einer
Welt, in der alles immer höher, schneller und leistungsorientierter werden soll?
Diese Fragen wurden in vielfältigen Bildern erzählt: Zirkuspferde sorgten sich um ihren
bevorstehenden Ruhestand, Menschen mit Migrationsgeschichte veranschaulichten das
Gefühl, zwischen Herkunftsland und neuer Heimat zerrissen zu sein, und auf Leistung
getrimmte Jugendliche lenkten den Blick auf globale Krisen und gesellschaftliche
Verantwortung.

Gerade diese Vielfalt machte „Midlife Circus“ so einzigartig. Das Stück schaffte es,
unterschiedlichste Menschen anzusprechen und emotional zu berühren. Nicht selten
flossen dabei auch im Zuschauerraum Tränen. Die Begeisterung des Publikums spiegelte
sich in zahlreichen Rückmeldungen wider:
„Ein Stück, das mit Herzblut geschrieben und mit der Aufrichtigkeit eurer Gefühle
aufgeführt wurde! Es ist offensichtlich, dass zwischen euch starke Bindungen entstanden
sind. Danke für die Gelegenheit und das Privileg, euren großartigen Zirkus mitzuerleben!“
„Diese fantastische Aufführung ist viel zu schade, um in Trier zu bleiben. Sie müsste auch
in anderen Städten, auf Festivals und weiteren Bühnen gezeigt werden, damit noch mehr
Menschen die Chance haben, das Stück zu erleben.“

Doch nicht nur das Publikum war begeistert. Auch die Teilnehmenden blicken mit großer
Freude auf die gemeinsame Zeit zurück.
„Besonders gefallen hat mir das schöne Miteinander in der Gruppe. Trotz aller
Unterschiede entstand schnell ein enger Zusammenhalt, geprägt von Offenheit,
gegenseitigem Lernen und vielen neuen Perspektiven durch den Austausch miteinander“,
berichtet eine Teilnehmerin, „ich erinnere mich an eine Situation, noch ganz zu Anfang
der Proben, da haben die verschiedenen Altersgruppen von den Krisen ihrer Generation
bzw. in ihrem Alter berichtet. Schnell wurde klar: Keine Lebensphase kommt ganz ohne
Krisen aus und Vorstellungen von ‚unbeschwerter Jugend‘ oder ‚als Rentner alles tun
können, was man will‘ sind zu kurz gedacht. Eine Erkenntnis, die schon zu Beginn für
gegenseitiges Verständnis und Vertrauen untereinander sorgte.“
Auch andere Teilnehmende beschrieben das Projekt als etwas Besonderes:
„Dieses Projekt hat meinen Wunsch, endlich wieder auf der Bühne zu stehen,
vollkommen erfüllt. Gleichzeitig habe ich viel über Krisen und ihre Bewältigung gelernt
und viele unterschiedliche Menschen kennengelernt […].“

„Midlife Circus war für mich schon die vierte Produktion, die ich mit der Regisseurin Judith
Kriebel erleben durfte. Auch diesmal verstand sie es, die unterschiedlichsten Menschen
zu einem Team zusammen zu bringen. […] Es hat Spaß gemacht, zu neuen Überlegungen
angeregt und manchmal auch Mut gekostet.“
„Dieses Theaterstück kam für mich genau zur rechten Zeit. Es hat mir geholfen, nach einer
schweren Krankheit wieder auf die Beine zu kommen und mir Mut gemacht, nach vorne
zu schauen. Besonders berührt hat mich die Theatergemeinschaft, in der jeder den Mut
hatte, nicht nur in den eigenen Themen und Krisen zu verharren, sondern Schritt für
Schritt weiterzugehen. Auch die Rückmeldungen nach den Vorstellungen haben mir
gezeigt, wie viel in diesem Theaterstück steckt. […] Jede einzelne Szene war geprägt von
Empathie und Kreativität und fügte sich am Ende zu einem großen Ganzen zusammen.
Danke an alle für diese wertvolle Zeit. Sie hat mir gezeigt, wie viel Kraft in Gemeinschaft,
Kreativität und Mut steckt und wie wichtig es ist, trotz aller Herausforderungen dem Leben
mit Freude und Dankbarkeit zu begegnen.“

Vielleicht beschreibt genau das den „Midlife Circus“ am besten: ein Projekt voller Mut,
Humor und Menschlichkeit – und die Erfahrung, dass Menschen gemeinsam oft über sich
hinauswachsen können. An dieser Stelle gilt ein herzlicher Dank an alle Beteiligten sowie
den Sponsoren, die dieses besondere Projekt überhaupt erst möglich gemacht haben.